Etikette (Begrüßung):
Die japanische Etikette beginnt mit der rē (Begrüßung) im Dōjō. Die Schüler stellen sich ihrem Rang entsprechend auf und halten kurz inne, um den Alltagsstress abzuschütteln und gelassen ins Training zu gehen. Meist gibt es einen Schrein, zu dem sich dann alle drehen und traditionell um ein verletzungsfreies Training bitten.
Aufstellung
Dem Leiter des Dōjō gegenüber stellen sich die Schüler in Viererreihen auf. Dabei ist der ranghöchste Schüler ganz rechts vorne, der zweitgraduierte links neben ihm und so weiter. In der zweiten Reihe fängt der Schüler mit der fünfthöchsten Graduierung wieder rechts an.
Innerhalb des gleichen kyū oder dan wird meist nach dem Alter sortiert. Ältere sind Jüngeren übergeordnet. Dies kann auch im Sinne von Erfahrung und nicht Lebensalter gemeint sein. Wer schon länger Bujinkan trainiert zählt als erfahrener. Es könnte Ausdruck der japanischen Höflichkeit sein, dem Älteren trotzdem mehr Erfahrung zuzugestehen und sich hinter ihm einzureihen. Je nach Dōjō kann es hier Unterschiede geben.
Sind z.B. auf Seminaren zu viele Personen anwesend, wird die ganze Breite der Halle genutzt. Meistens ist es nur begrenzt möglich, sich zumindest sortiert nach Schwarzgurt und Schüler einzureihen. Das stört aber in der Regel niemanden.
Hinknien
Auf das Stichwort sēza (formeller Kniesitz) knien sich alle ab. Heutzutage fällt es auch „echten“ Japanern schwer, lange im Fersensitz zu verharren. Früher wurde aber selbstverständlich verlangt, stundenlang in dieser Position stillsitzen zu können.
Männer sitzen mit aufrechten Schultern und legen die Hände gerade auf den Oberschenkeln ab. Frauen sitzen ebenfalls mit geradem Rücken, aber ihre Schultern sind eher rund und ihre Finger zeigen zueinander.
Meditation
Mit mokusō (Einkehr) fordert der Leiter des Dōjō alle auf, ihre Gedanken vom Alltag zu lösen und sich mental auf das Training einzustimmen. Die rechte Hand wird dabei in die linke gelegt. Das Schweigen hält so lange an, bis der Leiter des Dōjō es beendet. Wer gelassen in die Übungen geht minimiert die Verletzungsgefahr.
Am Ende des Trainings dient die Einkehr dazu, sich das Gelernte noch einmal in Erinnerung zu rufen und sich wieder auf die Rückkehr in den Alltag einzustellen.
SHIKIN HARAMITSU DAIKŌMYŌ
Für eine kurze rituelle (nicht religiöse) Besinnung sehen alle zum Shintō Schrein und reiben kurz die Handflächen vor dem Gesicht aneinander. Der Leiter des Dōjō spricht die Worte kurz vor, die dann von allen wiederholt werden: shikin haramitsu daikōmyō. Daraufhin klatschen alle zweimal in die Hände, verneigen sich, klatschen einmal und verneigen sich nochmal.
Es handelt sich hierbei um ein buddhistisches Mantra und ist eine Bitte um Schutz und Erleuchtung.[1] Das zweimalige Klatschen verjagt böse Geister, das einmalige Klatschen ruft die beiden Geister, denen der kamiza (Hausschrein) gewidmet ist. Bei uns sind das der Bushin Takamatsu-Sensei und unser Großmeister Sōke Hatsumi.
Wörtlich setzt sich shikin aus „Worte“ und „Reim“ zusammen. Es ist ein Gruß, der an die vier Leitlinien des Buddhismus erinnern soll.
- Ausdauer
- Aufrichtigkeit
- Offenheit
- Hingebung
Buddhistisch geht es mit haramitsu weiter. Es steht für die Übungen, die zum angestrebten Nirvana führen.
- Nächstenliebe
- Eingebungen folgen
- Ausdauer
- Energie
- Meditation
- Weisheit
Zuletzt ist es bei daikōmyō möglich, aus den Kanji die Bedeutung zu lesen. Es schreibt sich mit den Zeichen „groß“, „Licht von innen“ und „Licht von außen“. Die innere Erleuchtung und Schönheit soll in die Welt hinaus strahlen.
Gruß
Nun wenden sich Sensē (Leiter des Dōjō) und Schüler wieder einander zu. Es kann üblich sein, dass der höchstgraduierte Schüler – also der, der ganz rechts vorne sitzt – mit sensē ni rē dazu auffordert, den Leiter des Dōjō zu grüßen.
In jedem Fall verneigen sich alle voreinander und bitten sich mit onegaishimasu um ein gutes Training.
Wenn das Ritual am Ende des Trainings wiederholt wird, bedankt man sich mit arigatō gozaimasu für die Unterweisung.
Partnerübungen:
Während des Trainings werden Techniken meist zusammen mit einem Partner (aite = „helfende Hand“) ausprobiert. Der Fokus liegt hier darauf, wirklich nur auszuprobieren und die Technik nicht bis in ihre zerstörende letzte Konsequenz auszureizen. Der Uke (Passiver) erkennt die Ansätze und bewegt sich so, als seien sie im Rahmen der Möglichkeiten ausgereizt worden. So kann er bestimmen, wie weit der Tori (Ausführender) an die Schmerzgrenze gehen muss, um die Technik durchführen zu können. Das Zeichen, dass die Schmerzgrenze erreicht ist, ist das in Kampfsportarten übliche Abklopfen.
Zu Beginn der Partnerübung stellt man sich gegenüber und verneigt sich respektvoll voreinander, um sich an diesen Grundsatz zu erinnern. Derjenige mit dem niedrigeren Rang verneigt sich dabei tiefer und länger als der Höherrangige. Hier gibt es wieder Unterschiede bei Mann und Frau: Männer verneigen sich kantig mit geraden Schultern und den Armen an der Seite. Frauen geben sich mit runden Schultern und Armen vor dem Körper kleiner und „unterwürfiger“. Hierzulande spricht aber nichts dagegen, sich auch als Frau physiologisch gesünder wie ein Mann zu bewegen.
Um die Technik zu üben wechseln sich die Partner ab. Einer ist das „Opfer“ Uke, der andere wendet die Technik als Tori an. Da wir normalerweise einen Kampf zu vermeiden versuchen, ist der Uke meist zunächst der Aggressor und die Technik besteht darin, den Angriff zu kontern.
Am Ende der Partnerübung bedankt man sich mit einer erneuten kurzen Verbeugung dafür, dass beide Partner aufeinander aufgepasst haben und es zu keinerlei Verletzung gekommen ist.
Beendet der Sensē die Partnerübung mit matte! (wartet!), bedeutet das ein kurzes Innehalten, um nach einer kurzen Erklärung das Training fortzusetzen. Sagt er stattdessen yame! (aufhören!), ist das Training beendet und alle stellen sich zum Abgrüßen auf.
Herangehensweise
Der Sōke unterscheidet drei Stufen, die ein Budōka durchlaufen muss. Zuerst werden die Übungen nachgemacht (shu), dann werden sie auseinandergenommen (ha) und zuletzt so weit verstanden, dass sie für die jeweiligen Gegebenheiten optimiert werden können (ri).
Im Buch Tenchijin Ryaku no Maki (1983), „Strategien des Himmels, der Erde und des Menschen“, werden sogar sechs Phasen genannt.
Grundformen und Bewegungsvorschriften Schritt für Schritt erlernen
Abwandlungen einstudieren
Konter finden
Mit Partnern üben, die sich in Größe und Härte unterscheiden
Die Technik in linker und rechter Variante so abwandeln, dass sie nicht mehr gekontert werden kann
Der Kopf gibt nur noch das gewünschte Ergebnis vor, der Körper bewegt sich intuitiv automatisch. Ist die Technik auf diese Weise verinnerlicht, kann sie mit dem Bewegungsgefühl einer anderen Schule geübt werden.
Die Phasen 1 und 2 machen Vorgezeigtes nach (shu). In den Phasen 3 bis 5 wird die Technik auseinandergenommen und analytisch abgewandelt (ha). Zuletzt erreicht man Phase 6, in der die Intuition ohne bewusste Bewegungsvorschriften die Steuerung übernimmt (ri).
Japanisch - Aussprache - Übersetzung:
守 shu - einhalten
破 ha - zerbrechen
離 ri - verlassen
Trefferzonen
Als Kampfkunst beschäftigen wir uns mit allen Schwachstellen, die unser Körper zu bieten hat. Das sind sehr viele. Die rund 250 „Schmerzpunkte“ sind Stellen, an denen ein Treffer besonders weh tut. 123 dieser kyūsho Punkte sind in den Ten/Chi/Jin Ryaku no Maki Büchern schön aufgelistet und werden hier nicht im Einzelnen behandelt.
Im Training dürfen diese Punkte nie mit voller Kraft geschlagen werden, sondern nur andeutend berührt oder mit steigendem Druck getestet werden. Das gilt besonders für die 69 kritischen Punkte, die zu Bewusstlosigkeit, Lähmung und Tod führen können.
Bereiche
Der Körper wird grob in fünf Bereiche eingeteilt. Die wichtigsten Ruhestellungen, in denen ein Schwert gehalten wird, werden je nach Position des Schwerts bzw. des Schwertgriffs bezeichnet.
Japanisch - Aussprache - Bereich:
大上段 daijōdan - Oberhalb des Kopfes
上段 jōdan - Kopf und Hals
中段 chūdan - Oberkörper
下段 gedan - Hüfte bis Knie
膝下 hiza shita - Knie und tiefer
面 men - Gesicht, Maske
右面 migi men - rechter Kopf
左面 hidari men - linker Kopf
突き tsuki - Stich
小手 kote - Unterarm, Handgelenk
左小手 hidari kote - linkes Handgelenk
右胴 migi dō - rechter Körper
左胴 hidari dō - linker Körper
Waffen:
Ein Ninja kämpft mit allem, was er in die Finger bekommt. Im Training wird eine Auswahl an Möglichkeiten behandelt. Viele Alltagsgegenstände lassen sich wie diese Waffen führen.
Katana
Das traditionell japanische Schwert ist geschwungen und hat nur eine scharfe Seite.
| Japanisch | Aussprache | Übersetzung | Zusätzliche Infos |
| 刀 | Katana tō | Katana | |
| 脇差 | wakizashi | Wakizashi | „an der Seite getragen“ |
| 木刀 | Bokutō/Bokken | Holzschwert | |
| 竹刀 | shinai | Bambusschwert | |
| 長刀 | naginata | Schwertlanze | „langes Schwert“ |
| 短刀 | tantō | Messer | „kurzes Schwert“ |
| 忍刀 | shinobikatana | verkürztes Schwert | „Spion Schwert“ |
| 大刀 | daitō | großes Schwert | entspricht tachi |
| 小刀 | shōtō | kleines Schwert | entspricht wakizash |
| 太刀 | tachi | fettes Schwert | |
| 小太刀 | kodachi | kleines dickes Schwert | |
| 大太刀 | ōdachi | großes fettes Schwert | |
| 野太刀 | nodachi | Schlachtschwert | „fettes Schwert am Schlachtfeld“ |
| 眉尖刀 | bisentō | Glefe | Männer-Variante der Naginata |
Es gibt viel über das Katana und seine Einzelteile zu wissen. Die wichtigsten Bestandteile sind saya (Hülle), tsuba (Stichblatt), tsuka (Griff) und ha (Klinge).
